Sagen

In Düssel erzählt man sich sonderbare Geschichten, die sich hier vor langer, langer Zeit abgespielt haben sollen. Eine kleine Auswahl haben wir hier nacherzählt:

Ein Schatzgräber in Düssel
Einst hatte ein sehr armer Mann in Düssel ein hungerndes und krankes Kind. Er konnte das Leid des Knaben nicht mehr ertragen und lief deshalb zu seinem reichen Nachbarn und bat um ein wenig Getreide. Der Bauer jagte den Bittsteller aber von seinem Anwesen. Voll Kummer entschloss sich der Vater, das Getreide beim herzlosen Bauern zu stehlen. Eines Nachts brach er in die benachbarte Scheune ein. Er bemerkte Schritte, die sich der Scheune näherten. Schnell versteckte er sich hinter den vielen Getreidegarben. Es war der geizige Landwirt. Dieser grub ein tiefes Loch im Scheunenboden und vergrub dort einen mit Gold gefüllten Bottich. Dabei sprach er: „Teufel – bewahre meinen Schatz, bis ein armer Mann auf einem schwarzen Ziegenbock kommt, der ein ganzes Jahr mit gebetteltem Brot gefüttert wurde“. Der besorgte Vater hatte alles genau verstanden. Nachdem der Bauer gegangen war, rannte der Vater schnell nach hause, besorgte sich einen schwarzen Ziegenbock und zog mit ihm durch das Bergische Land. Tier und Halter ernährten sich nur vom erbettelten Brot. Nach einem Jahr kehrte er zum reichen Bauern zurück. Aber der Geizhals war inzwischen verstorben und alles war hier verändert. Die Hinterbliebenen lebten jetzt auch in Armut. Der Bettler bat um ein Nachtlager für sich und seinen schwarzen Ziegenbock. Zunächst lehnte die arme Witwe den Wunsch des Bettlers ab, gab dann aber schließlich nach. Um Mitternacht ritt der Vater auf seinem schwarzen Ziegenbock in die Scheune zu der Stelle, an welchem der Schatz verborgen lag. An dem besagten Ort ertönte plötzlich ein lautes Donnern und der Ziegenbock entschwand eiligst durch das offene Scheunentor. Jetzt konnte der Bettler den Schatz heben und übergab ihn den Erben. Die aber teilten den Schatz redlich mit dem Vater, der nun sein krankes Kind reichlich versorgen konnte.

Ritt auf der nackten Frau
Eines Abends, es war schon finster, stieg ein Dieb in Düssel auf einen Pflaumenbaum. Kurz darauf kam der Bauer und vergrub an der Baumwurzel einen Kessel mit Gold und Silber. Nach der Arbeit murmelte der Bauer: „Teufel – bewahre meinen Schatz, bis ein Mann auf einer nackten Frau herbei reitet“.  Der Dieb hatte jedes Wort genau verstanden, kletterte von Baum, rannte zurück zu seiner Frau und erzählte ihr alles. Er redete immer wieder auf seine Gemahlin ein, bis sie nachgab. Kurz vor dem Baum, an der der Schatz verborgen lag, musste sich die Frau entkleiden und den Mann  auf den Rücken nehmen. Als ein lauten Grollen ertönte, erschrak die Frau sehr. Aber  schon bald war es wieder still geworden und das Ehepaar konnte den Schatz heben und davon eilen.

Das Jammerhörnchen
Auf der Düsseler Höhe gibt es eine Straße mit dem Namen Jammerhörnchen. Es bezieht sich auf ein Gebäude, das vor langer, langer Zeit dort oben auf der Düsseler Höhe stand. Davon wird berichtet, dass in alter Zeit ein Wächter lebte, der Ausschau über Berg und Tal  nach Räubern und Kriegern Ausschau hielt,. Drohte eine Gefahr, blies er auf seinem Horn so lange, bis sich die Düsseler Bewohner sich und ihre beweglich Habe im Düsseler Wald und in der Kirche St. Maximin in Sicherheit bringen konnten.

Die Nachtwandlerin in Düssel
Auf einem Bauernhof zwischen Düssel und Wülfrath wohnte eine geizige Bäuerin. Die Magd musste viel Schimpfwörter und Demütigungen ertragen. Bettler wurden immer schroff abgewiesen. Sie schüttete das übrig gebliebene Essen lieber in den Schweinetrog. Nachdem die Geizige verstorben war, fand ihre Seele keine Ruhe. Jeden Abend zur Fütterung erschien sie im Schweinestall stöhnend und klagend, so dass alle Haustiere in ihren Ställen unruhig wurden. Niemand sah aber die Nachwandlerin und war deshalb sehr ratlos. Man glaubte an einen bösen Geist, den man „besprechen“ musste. Niemand wusste aber, wie man das machen soll. Dann erklärte sich eine Magd dazu bereit. Am nächsten Abend wurden wieder alle Tiere sehr unruhig. „Wer ist da“ ? rief die beängstigte Magd mit kläglicher Stimme. Eine leise, kaum vernehmbare Stimme sprach: „Die Frau von diesem Hause“. Die Magd fragte kleinlaut: „Was willst du hier“  ? Wieder war die leise Stimme zu hören: „Ich kann in meinem Grab auf dem Düsseler Friedhof keine Ruhe finden, weil ich zu Lebzeiten so hart und unbarmherzig zu den Armen war. Man möge es wieder gut machen und das Essen nicht mehr den Schweinen, sondern den Armen geben, damit sie endlich Ruhe finden kann“ . Von nun an beruhigten sich alle Tiere und von einem Geist wurde abends nichts mehr gespürt.

Der festgesetzte Fuhrmann
Ein Fuhrmann prahlte eines Abends in einem Düsseler Gasthaus, er könne jemanden festsetzen. Die anderen Gäste bestritten das aber heftig. Da .kam auch schon ein weiteres Fuhrwerk heran und machte vor der Gaststätte halt. Der Wagenlenker ging in die Wirtsstube. Der erste Fuhrmann beschloss, den Gästen seine Kunst zu zeigen. Während der neu angekommene Gast sein Bier trank, murmelte der Fuhrmann leise seine Sprüche. Der letzte Gast wollte nun weiterfahren, doch trotz des massiven Antreibens der Pferde bewegte sich das Gespann nicht von der Stelle. Bald merkte er, dass hier die Schwarze Kunst im Spiel ist und murmelte: „Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes“. Aber auch das half nicht, die Pferde blieben wie angewurzelt stehen. Er borgte sich von Wirt eine Axt, zerschlug damit eine Radspeiche und murmelte wieder: „Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes“. Jetzt endlich war der Wagen frei und er konnte seine Fahrt fortsetzen

Der Leichenzug aus dem Schlossteich
Auf der Straße von Düssel nach Aprath kann man in Winternächten oft einen Leichenzug beobachten. Dieser kommt aus dem Aprather Teich, hält am Fried in Düssel und betritt ihn, um dann wieder umzukehren und im Teich zu verschwinden. Es soll ein ehemaliger Schlossherr sein, der wegen seiner Härte im kalten Winter von Zeit zu Zeit diesen Weg machen muss. Dieser soll auch sein erstes Weib umgebracht und in Aprather Teich versenkt haben.

Die fünf Kartenspieler
Zwischen Aprath und Düssel liegt eine alte Mühle, in der es schaurig zugeht. Kommt man zur Mitternachtsstunde an der Mühle vorbei, so kann man an einem Tisch in der Mühlstube fünf Männer beim Kartenspiel sehen, die um 2 Uhr plötzlich verschwinden.  

Die Brüder
Zwei Brüder teilten nach dem Tode ihrer Eltern die Erbschaft. Dabei fiel einem eine alte Kiste zu, die zur Aufbewahrung von Leinen gedient hatte. Friedlich lebten die Brüder nach wie vor zusammen. Eines Tages unterzog der Ältere, dem die Kiste zugefallen war, dieselbe einer genauen Untersuchung. Da fand er, dass in derselben ein doppelter Boden war. Lange sann er darüber nach, wie er einen Boden entfernen könne. Er rief seinen Bruder herbei, der ihm dabei behilflich sein sollte. Nach langem Mühen gelang es endlich. Groß war ihr Erstaunen, als zwischen den Böden ein Beutel sichtbar wurde, der mehrere hundert Taler enthielt. Der jüngere Bruder beanspruchte nun die Hälfte von dem gefundenen Schatze. Damit war aber der ältere nicht einverstanden. Nach einem heftigen Wortwechsel entferte sich der jüngere Bruder. Er ging auf sein Zimmer. Tagelang sprachen sie nun kein Wort miteinander. Eines Morgens wollte der Ältere wie gewöhnlich zu seinem Acker hinausgehen; da gewahrte er seinen Bruder, welcher sich an einem Pfosten der Haustüre erhängt hatte. Nun geriet er in Verzweiflung, eilte durch das Dorf Düssel, verkündete was vorgefallen war und erhängte sich auch.